Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) über uns (9. April 2009)
Hamburg (dpa/lno) - Vor drei Monaten ist Uwe Schmidt (48) aus Mali zurückgekehrt und immer noch begeistert. «Die Freude bei den Menschen war so groß. Mit Hunderten Dorfbewohnern haben wir die Eröffnung des neuen Schulgebäudes gefeiert», sagt der zweifache Familienvater aus Hamburg, der sich seit 18 Jahren ehrenamtlich für das Kinderhilfswerk Dritte Welt engagiert. Die Schule in Dogoba ist bereits die siebte in dem westafrikanischen Land, die das Kinderhilfswerk errichtet hat. «In Mali geht nur jeder zweite Junge und jedes dritte Mädchen zur Schule. Bildung ist für die Kinder aber die einzige Chance auf ein besseres Leben», sagt der PR-Experte. Mit einer Analphabetenrate von mehr als 50 Prozent und einem Jahreseinkommen von 250 Euro zählt Mali zu den ärmsten Ländern der Welt.
«Unser Prinzip heißt Hilfe zur Selbsthilfe», sagt Schmidt. Deshalb versucht das Kinderhilfswerk herauszufinden, «was wirklich nötig ist» und arbeitet vor Ort mit den einheimischen Behörden zusammen. «Bei der Schule in Dogoba hat sich das malische Erziehungsministerium verpflichtet, zwei weitere Lehrer einzustellen und künftig für alle sechs Lehrergehälter aufzukommen», sagt der 48-Jährige. Bei regelmäßigen Besuchen kontrollieren Mitarbeiter, ob alles in Ordnung ist. Neben Bildung ist vor allem Gesundheit einer der Schwerpunkte der Arbeit – bisher wurden 14 Gesundheitszentren in Mali gebaut. «Die Kombination der Faktoren Gesundheit und Bildung ist die Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung in der Region», sagt Schmidt.
Begonnen hat alles 1975 mit einer spontanen Aktion: Durch Impfmüdigkeit in Deutschland drohte der Verfall hunderttausender bereitgestellter Polioimpfeinheiten, Mali hingegen gehörte zu den Ländern mit den meisten Fällen spinaler Kinderlähmung. Der Gründer des Kinderhilfswerk, Hans-Georg Graichen, malischer Honorarkonsul in Hamburg, sammelte die Impfeinheiten, baute eine Kühlkette auf und führte Impfaktionen in Mali und im Senegal durch: Ein großer Erfolg - inzwischen ist die Krankheit in beiden Ländern fast eingedämmt. Für seine Verdienste um das Wohl der Kinder bekam Graichen, der Ende 2008 starb, das Bundesverdienstkreuz - in seinem Sinne wollen Schmidt und sein Kollege Hauke Nagel das Kinderhilfswerk weiterführen.
Mittlerweile ist das Kinderhilfswerk in zehn Entwicklungsländern aktiv. «Aber nur dort, wo wir Vertrauensleute vor Ort haben», betont Schmidt. So fördert das Kinderhilfswerk in Ruanda ein von Dominikanerinnen geführtes Heim, das einst für Kriegswaisen eingerichtet wurde und heute vor allem Aidswaisen beherbergt. In Uruguay, Chile und Argentinien unterstützt der Verein Heime für Straßenkinder. In einem Behindertenzentrum in Südindien werden knapp 60 Kinder und Jugendliche betreut. Die Spender haben den Bau einer neuen Küche und eines Speisesaals ermöglicht sowie die Installation eines Trinkwasserbrunnens. Auch in Dogoba soll als nächstes ein Brunnen gebaut werden. «Frisches Wasser spielt eine Schlüsselrolle für die Gesundheit der Kinder», sagt Schmidt.
Auch der interkulturelle Austausch spielt eine wichtige Rolle. So reiste 2005 im Rahmen des Projektes «Solidarität macht Schule» eine Gruppe von 13 Berufsfachschülern für zwei Monate nach Mali, um eine Schule zu sanieren. «Alle Beteiligten haben hinterher eine Lehrstelle bekommen», berichtet Hauke Nagel, Lehrer am Wentorfer Gymnasium. Auch seine Schüler engagieren sich regelmäßig für das Kinderhilfswerk. So sammelten 23 Abiturienten in wenigen Monaten einen Container voll mit medizinischen Sachspenden - darunter Babybetten, Gynäkologie-Stühle und zwei Ultraschallgeräte für die Mutter-Kind-Zentren in Mali. «Mit dem, was bei uns in Krankenhäusern weggeworfen wird, könnte in Mali vielen Menschen geholfen werden», meint Nagel.


